20. & 27. März 2010: "Dem Nachwuchs keine Chance"

Die Fotos des Stücks sehen Sie am Ende dieser Seite!

Zu unterhaltsamen und kurzweiligen Theaterabenden hatte die Bühnenvereinigung Saarwellingen eingeladen. Zur Aufführung gelangte "Dem Nachwuchs keine Chance?!" von Thorsten Böhner.

Gemäß dem Untertitel geht es um das Thema: „Kinder kriegen… haben…sein“. Vorab gesagt: Hier geht es nicht um ein Plädoyer fürs Kinderkriegen. In acht Einzelszenen werden vorwiegend Probleme dargestellt, mit welchen sich zukünftige Eltern auseinandersetzen müssen. Dabei gibt es -wie im Leben- neben vielen amüsanten auch ernste und bedrückende Fragen.

So macht z.B. eine Szene den Zuschauer nachdenklich über die Schofeligkeit der Welt in der wir leben: Die Führer zweier Staaten (Paul Klein und Jürgen Freichel) sprechen sich  seelenruhig über einen möglichen Krieg untereinander aus, nur um ihr verblassendes Image bei der Bevölkerung aufzupolieren. Auch in dem darstellerisch anspruchsvollen „Monolog einer Mutter“ -von Carolin Rupp gut bewältigt- gibt es wenig Erfreuliches zu hören: Die junge Frau hat dem Kinderwunsch zuliebe ihren Beruf aufgegeben. Gewonnen hat sie dadurch nichts, denn der Ehemann hat nicht die Karriere gemacht, die er sich  -und ihr-  versprochen hat, und eine ehemalige Kollegin verspottet sie wegen ihres erbärmlichen Hausfrauendaseins.

In den restlichen Szenen ist durchwegs gute Laune angesagt. So zeigt das erste Bild das Büro einer Samenbank, wo zwei überspannte Lebenspartnerinnen, echt komisch gespielt von Sylvia Freichel und Esther Kallenborn, sich den Praktiken der geschäftstüchtigen Vermittlerin (Barbara Marczinkowsky) anvertrauen. „Mama allein zu Haus“ thematisiert die möglichen Probleme des inzwischen gängigen Rollenwechsels in der Ehe: Wenn der sonst als Hausmann agierende Vater (Michael. Sprengart) sich einmal einen freien Abend gönnen will, bedeutet dies für die Mutter (Oranna Reinhart), die mit ihrem Baby allein zu Hause bleiben muss, die Katastrophe. 

Auch in den folgenden Szenen findet das Komische immer neue Höhepunkte. J. Freichel spielt einen sächselnden Vertreter für Tupperware, der mit seinen Sprüchen eine Schar naiver Hausfrauen hellauf begeistert. „Kinderalarm im Kaufhaus“ gibt E. Kallenborn und Joachim Becker Gelegenheit, als sehr ungezogene Kinder ihr Talent für das Burleske voll auszuspielen. In einem Stück über Kinder durften natürlich auch die leidigen Schulprobleme nicht fehlen: Am Ende eines „Elterngesprächs“ ist man als Zuschauer völlig verblüfft, wenn deutlich wird, dass das Sorgenkind (Tobias Freichel) sich den Hausmeister und dessen Frau (P. Klein und M. Wunsch) „gekauft“ hat, damit sie an Stelle der Lehrer die Eltern über seine Leistungen aufklären. In der letzten Szene sind aus den Kindern Erwachsene geworden. Sind sie besser als die Kleinen? Im Gegenteil! Der Vater ist noch nicht tot, und schon geraten die Kinder und die Angeheirateten in einen wüsten Streit um die Erbschaft.

Eine Besonderheit des Stückes besteht  darin, dass die einzelnen Szenen durch eine Rahmenhandlung miteinander verbunden sind. Vor der Bühne, also im Zuschauerraum, steht das Ehebett von Diane (Tanja Jochem) und Alex (Thorsten Sprengart). Sie, sehr attraktiv, will unbedingt ein Kind. Er, sehr vernünftig, hat immer neue Argumente dagegen. In den einzelnen Szenen auf der Bühne werden seine Befürchtungen „leibhaftig“ vorgeführt. So wie das Geschehen auf der Bühne kaum den Wunsch nach Kindern wecken kann, wirkt auch die Auflösung dieser Szenen einer Ehe ernüchternd: Das ungewöhnliche Drängen Dianes nach möglichst sofortiger geschlechtlicher Vereinigung mit ihrem Mann hat „intime“ Gründe….

Das Auf und Ab der außerordentlich dichten Handlung bedeutete für die Darsteller eine echte Herausforderung, nicht zuletzt, weil die meisten von ihnen mehrere Rollen zu spielen hatten. Die Aufgabe wurde von allen gut bewältigt. Dies war auch an den Reaktionen im Saal zu erkennen: Neben herzhaftem Lachen und spontanem Zwischenapplaus stellte sich manchmal auch verhaltene Stille ein, nämlich dann, wenn einzelne Situationen, die im Spiel so leicht und komisch daherkamen, für das wahre Leben zu Ende gedacht wurden. Letztlich wurde uns hier von sehr engagierten  Laien anspruchsvolles Theater gezeigt.

Heinz Scherer