Welttheater:

"Das Große Welttheater" in Einsiedeln und

seine Bedeutung für Saarwellingen


Um die Frage zu klären, warum man in Saarwellingen überhaupt auf den Gedanken kam, dieses Werk durch Laien aufzuführen, muss man zu den bekannten Aufführungen der zwanziger Jahre in Einsiedeln/Schweiz zurück- gehen. Hier wurde "Das Große Welttheater" zum erstenmal 1924 mit großem Erfolg auf dem Klosterplatz zur Aufführung gebracht, und diese war ein beachtetes Theaterereignis. Das Theaterspielen hatte in Einsiedeln eine lange Tradition. Bereits 1576 wurde das "Meinradsspiel" aufgeführt und im Zeitalter des Barock erlebte die Theaterpflege eine hohe Blüte. - Die Frage, wer in Einsiedeln Initiator der Wiederaufnahme geistlicher Spiele war, ist auch dort bis in die jüngste Vergangenheit diskutiert worden. Nach Wernerkarl Kälin hatte Prof. Dr. Linus Birchler, ein Kunsthistoriker, wohl bereits Anfang 1924 die Idee, auf dem Einsiedler Klosterplatz geistliche Spiele aufzuführen. Den letzten Anstoss gab dann im Mai 1924 der rheinische Schauspieler Peter Erkelenz, der mit Rezitationen in katholischen Mittelschulen auftrat und hierbei auch nach Einsiedeln kam. In kürzester Zeit gelang es, die Bevölkerung von Einsiedeln für die Mitarbeit zu gewinnen. Am 21. Juni 1924 wurde beschlossen, noch im selben Jahr "Das Große Welttheater" aufzuführen. Bereits am 15. August 1924 fand die Premiere statt. Damit nahm eine Aufführungspraxis ihren Anfang, die seit dem in einem etwa fünfjährigen Turnus bis heute weitergeführt wird.


Einflussreichen Leuten aus Bad Godesberg, die auf die Aufführungen in Einsiedeln aufmerksam geworden waren, gelang es dann, den Regisseur Peter Erkelenz im Jahre 1926 für eine Aufführung auf einer eigens geschaffenen monumentalen Bühne im Redoutenpark zu Bad Godesberg zu gewinnen. Diese Bühne wurde nach den Regievorstellungen von Peter Erkelenz und seinen Eindrücken vom Einsiedeler Spielort, dem herrlichen Platz vor der Klosterkirche, im Redoutenpark erstellt. Man schuf eine Bühne mit drei Ebenen: die Himmelsbühne (ein mächtiger, etwa dreißig Meter hoher Aufbau) als Kirche bzw. sakraler Hintergrund, ein Bau mit Spitzenformen und gotischer Strenge - die Weltenbühne - die Erdenbühne.

-Ein wichtiges Wesensmerkmal zu den Saarwellinger Aufführungen sind die Auftritte der Solis-ten und Chöre. So schreibt E.Gyr :"Auch die Bewegungen von Solisten und Chören sind strenglinig vorgezeichnet. Eigenartig berührt die Gegenüberstellung der Sprechchöre. In Godesberg klingen sie scharf, gut geschult - in Einsiedeln klangen sie hart, erdhaft." Anders als in Einsiedeln hatte man in Godesberg für die Hauptrollen Berufsschauspieler verpflichtet. Die Aufführungen im Jahre 1926 waren, trotz schlechter Wetterbedingungen ähnlich erfolgreich wie zuvor in Einsiedeln, so dass man eine Neuauflage im Jahre 1927 plante.

Wegen des schlechten Wetters wurde die Aufführungssaison 1927 ein finanzieller Misserfolg. Von geplanten 42 Vorstellungen waren 36 verregnet, so dass dem Godesberger "Welttheater" der Erfolg, den Einsiedeln bis heute aufzuweisen hat, versagt blieb.


In der Spielperiode 1926 hatte man den gleichen Text wie in Einsiedeln, nämlich die Übersetzungen von Joseph von Eichendorff und des weniger bekannten Franz Lorinser verwendet 5)

Unser ehemaliger Pastor Ernst M. Laub war in den Jahren 1926/27 Kaplan in Rheinbrohl. Er war mit Bestimmtheit mehrmals unter den Zuschauern der Godesberger Welttheater-Aufführungen. Ihm müssen beim Betrachten der Anlage der St.Blasius-Kirche geradezu die Erinnerung an die Godesberger Bühne und das "Welttheater" dort wieder lebendig geworden sein. Die Saarwellinger Anlage ist zwar wesentlich kleiner als die künstlich geschaffene Godesberger oder gar der Klosterplatz von Einsiedeln, dennoch bot sich die große Freitreppe mit der hohen Kirchenkulisse für die "Drei-Ebenen-Bühne" regelrecht an.

Der Zweite Weltkrieg hatte auch unsere Pfarrkirche "St.Blasius" sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. In der Festschrift zur Welttheater-Aufführung 1949 schreibt Pastor Laub zum Wiederaufbau: "Wiederholt war ich während der Evakuierungszeit hineingefahren ins Dorf mit seiner hohen Kirche. Der erste Blick galt immer dem Turm. Und er stand. Und auch die Mauern blieben. Aber im letzten Monat, im März 45, da schlugen die Granaten ganze Fatzen Gewölbe weg, rissen ganze Mauerteile von den Fenstern fort und platzten auf den vielen Stufen des großen Treppenaufgangs und der Umfassungsmauern auseinander."

Zum Wiederaufbau und zur Renovierung waren große finanzielle Mittel notwendig, so dass im Jahre 1949 Pastor Laub die Idee hatte, auf der großen Freitreppe vor der Pfarrkirche St. Blasius "Das Große Welttheater" zur Aufführung zu bringen. Und dazu lesen wir in der Festschrift von 49: " Nachdem die Kirchengemeinde ihre zerstörte Treppenanlage vor der Kirche unter großen Opfern erneuert und wesentlich verbessert hatte, war ein idealer Platz für geistliche Schauspiele geschaffen." Pastor Laubs Idee fand im Saarwellinger Theaterverein und auch bei den übrigen Vereinen des Dorfes ein breites Echo.



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