Welttheater:

Die Textfassung der Saarwellinger Aufführung

Ludwig Heckel schreibt in der zitierten Festschrift: "Joseph Freiherr von Eichendorff, diesem innigen Lyriker der deutschen Romantik, haben wir die schönste und im Geist getreueste Übersetzung von Calderons größtem Schauspiel "Das Große Welttheater" zu verdanken." - Dennoch muss ich heute feststellen, dass die Originalübersetzung Eichendorffs nicht die Textvorlage für die Saarwellinger Aufführung war. Pastor Laub verfügte offenbar über die so mühsam, wie lange Zeit ergebnislos, gesuchte Godesberger Fassung aus dem Jahr 1927, die ihrerseits eine Neufassung (gegenüber dem Einsiedeler Spieltext) war.

Das Leitmotiv in Calderons "El gran teatro del mundo" ist ein durch gesanglichen Vortrag hervorgehobener Satz im Rahmen der versteckten Ontologie: "Obra bien, que Dios es Dios". In der Übertragung von Eichendorff lautet der Satz (leider, muss man wohl sagen): "Tue recht, Gott über euch".6) Franz Lorinser übersetzt: " Recht zu thun; Gott unser Hort", wobei Lorinser noch zwei Variationen anbietet, nämlich: "Thue recht, Gott ist dein Hort" und "Gutes thun, Gott ist dein Hort". - Die erste Aufführung in Einsiedeln (1924) verwendet die Übersetzung Eichendorffs, das gleiche gilt für Bad Godesberg 1926 ("Tue recht, Gott über euch").

Der Saarwellinger Spieltext steht unter dem Leitmotiv: "Wirk das Gute in der Zeit - Gott wacht in der Ewigkeit!" Dieser Leitsatz und der in Abschrift in Saarwellingen vorhandene Text wiesen darauf hin, dass es eine weitere Textfassung geben musste. Umfangreiche Nachforschungen wurden durch den Verfasser angestellt. Alle zur Verfügung stehenden Informationen deuteten auf Bad Godesberg hin

.

Bei der Neuanschaffung der Kirchenglocken in St. Blasius
1951 erhielt die dem hl. Martinus geweihte Glocke die
Inschrift des Saarwellinger Welttheaters


Erstaunlicherweise musste ich feststellen, dass in Bad Godesberg, selbst bei älteren Bürgern, die die Aufführungen noch gesehen, oder gar bei ihnen mitgewirkt hatten, eine zweite Textversion nicht bekannt war. Auch im Stadtarchiv von Bonn ließen sich keine Nachweise über eine zweite Textfassung finden. Andere Archive gaben teilweise gar falsche Quellenhinweise. Nach etlichen Fehlversuchen in verschiedenen Archiven und Bibliotheken, fand ich dann, mehr oder weniger zufällig, einen Hinweis auf einen Text von Dr. Karl Schorn.

In der Bad Godesberger Neufassung für die Aufführungen im Jahre 1927 lautet das Leitmotiv, wie in Saarwellingen: "Wirk das Gute in der Zeit - Gott wacht in der Ewigkeit!" Der gesamte Text wurde sprachlich erneuert und dem aktuellen Sprachgebrauch angepasst. Der Spieltext wurde von dem rheinischen Heimatdichter Dr. Karl Schorn, der bereits bei den Aufführungen im Jahre 1926 als Dramaturg beteiligt war, verfasst. In der Presse findet sich folgender Hinweis: "Die sprachliche Erneuerung des Textes von Dr. Karl Schorn, Neuß, läßt einen harmonischen Rhythmus in der Erfassung von Wort und Sprache erkennen. Jedoch bleibt die Sprache im Calderonschen Geist an die Idee des Calderonschen Werkes angelehnt" 7)



Weitere Informationen zu den Aufführungen in Saarwellingen
erhalten Sie auf den folgenden Seiten!