Welttheater:

Die Saarwellinger setzen die Idee, Calderon aufzuführen, in die Tat um

Wie in Einsiedeln und Godesberg gelang es auch in Saarwellingen, die gesamte Dorfgemeinschaft für das Theaterunternehmen zu begeistern. Erstmals äusserte Pastor Laub wohl bei der Veranstaltung des katholischen Bergmannsvereins zum Blasius Tag 1949 den Wunsch, unter Mitwirkung der kulturellen und kirchlichen Vereine ein grösseres Werk gemeinsam aufzuführen, wobei er an "Das Große Welttheater" dachte. Dieser Wunsch weckte starkes Interesse. Der Spielleiter der Bühnenvereinigung, Theo Krämer, nahm alsbald Kontakt mit den Vorständen der Vereine auf. Das allseist gezeigte grosse Intersse an dem gewaltigen Vorhaben gab ihm den Mut, an die Aufgabe heranzugehen. Nur wegen dieser umfassenden Bereitschaft konnte man sich vornehmen, bereits im .August 1949 das Werk zu präsentieren. Mitten in die Vorbereitungen platzte dann die Meldung, dass man auch in Trier "Das Große Welttheater" spiele. Für noch mehr Überraschung sorgte dann die Ankündigung, dass die Trierer im August, also unmittelbar vor den geplanten hiesigen Aufführungen, einige Male in Saarbrücken spielen würden. Die Saarwellinger ließen sich nicht entmutigen, und so fand am 03. September 1949 die Premiere statt. Pastor Laub kann in der Pfarrchronik vermerken: " Im September 49 wird mit großem Erfolg das trefflich gelungene Mysterienspiel von Calderon auf der großen Freitreppe vor der Kirche aufgeführt. Auf der Bühne wirken etwa 150 Spieler und hinter der Bühne in Chören und Orchester ebenfalls 150 Pfarrkinder mit. `Das Große Welttheater` ist in diesen Wochen das Tagesgespräch auf den Werkstätten, in Gruppen, Straßenbahnen und Omnibussen. `Das Große Welttheater` in Saarwellingen dürfte wohl die Aufführungen der Trierer Festspielvereinigung in Trier und Saarbrücken an Aufmachung und Tiefenwirkung weit übertroffen haben. Wir sehen uns veranlasst, auch im nachfolgenden Jahr das Spiel noch einmal zur Vorführung zu bringen." Insgesamt gab es im Jahre 49 sechs Aufführungen und eine zusätzliche für die Kinder.


Die Leistung all der Kräfte, die bei der Verwirklichung dieses Spiels mitwirkten, kann auch aus heutiger Sicht nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Aufführungen in Trier und Saarbrücken wurden von Berufsschauspielern bestritten, in Saarwellingen waren ausschließlich Laien tätig, wobei etliche DarstellerInnen gar zum ersten Male auf einer Bühne standen.

Die Presse berichtete 1949 und 1950 umfangreich und begeistert von den Aufführungen. Vornehmlich wurde in der saarländischen Presse berichtet, aber auch der "Paulinus" und der überregionale "Katholische Beobachter" wiesen auf die Saarwellinger Aufführungen hin. Weitere bundesdeutsche Zeitungsberichte - wir waren ja noch nicht "bundesdeutsch" - sind nicht bekannt. - Um den Tenor der Berichte deutlich zu machen, möchte ich einige Pressestimmen zitieren. Die "Saarbrücker Zeitung" schrieb unter der Überschrift "Ein Dorf spielt Calderons "Großes Welttheater": "Als wir uns am vergangenen Samstag nach Saarwellingen begaben, um inmitten einer fleißigen und lebensfrohen Bevölkerung, die wir bei mancherlei Anlässen bereits näher kennengelernt haben, die Eröffnung der Freilichtspiele zu erleben, waren - wir dürfen es jetzt gestehen - einige, starke Bedenken vorhanden. Der Grund dafür ist darin zu suchen, dass wir die Aufführung des `Großen Welttheaters`, jenes geistlichen Schauspiels des Spaniers Calderon, für eine Laienspielgruppe doch für zu gewagt hielten. Nun, wir wurden gründlich eines Besseren belehrt. Wir erinnerten uns in diesem Zusammenhang jedoch eines alten Grundsatzes: Die Kunst, die dem Volk dienen, d.h. ihm gültige Werte vermitteln will, soll aus dem Volk geboren und von ihm selbst gestaltet werden. Saarwellingen hat dies in kühnem Wagemut und in vollem Umfange verwirklicht. Die beispiellose Zusammenarbeit aller kulturbeflissenen Kräfte eines Dorfes einschließlich der Pfarr- und Zivilgemeinde brachte - wir dürfen es vorweg feststellen - eine packende und aufrüttelnde Aufführung zustande. Und dies mit einer bemerkenswerten Geschlossenheit und mit erstaunlichem Niveau."8)

Der "Saarländischen Volkszeitung" vom 13.09.49 entnehmen wir: " Die Saarwellinger Aufführung ist aus einem Guss. Überraschend gut die Gesamtspielleitung, von geschlossener Wirkung die Sprechchöre, Bühnenbild und Beleuchtung ein weihevoller Rahmen. Choräle und Musik voll und ganz ihrer Aufgabe entsprechend, ebenso Ballett und Bauerntänze. Den Darstellern gebührt für die eindrucksvolle Gesamtleistung uneingeschränktes Lob. Die Saarwellinger Vereine: Theaterverein, Kirchenchor, die Gesangvereine Harmonie und Sängerbund, Musikverein Harmonie und die Katholische Jugend, sie alle haben mit der Aufführung dieses geistlichen Schauspiels gerade in unserer Zeit sich größte Verdienste erworben. Für den Kreis Saarlouis aber bedeuten die Saarwellinger Festspiele das kulturelle Ereignis des Jahres."9

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